<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-9127935723743469221</id><updated>2011-10-05T07:54:01.711-07:00</updated><title type='text'>Abiturrede 2008 am Berlin-Kolleg</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://clauskittsteiner.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9127935723743469221/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://clauskittsteiner.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>K2K media</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03865651918747672830</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>1</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9127935723743469221.post-3996283702740587533</id><published>2008-07-25T03:33:00.001-07:00</published><updated>2008-07-25T05:30:34.120-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>Claus Kittsteiner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, &lt;br /&gt;es freut mich ganz besonders, dass ich Sie heute im Namen Ihrer Lehrerinnen und Lehrer zu Ihrem Ehrentag beglückwünschen darf - beglückwünschen darf zum erfolgreichen Abschluss eines langen Weges, der für Sie Mühsal und Verzicht, Selbstzweifel und Überwindung bedeutete, aber dennoch Bereicherung, Freude und Erfolge brachte, von denen wir und Sie oft selbst überrascht waren. Der größte Erfolg ist wohl, dass Sie heute den lang ersehnten Führerschein für die Uni, Ihr Abiturzeugnis, in Empfang nehmen können!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Weg zu diesem Ziel durfte ich Sie, wie die meisten hier anwesenden Lehrkräfte, über dreieinhalb Jahre begleiten. Für mich persönlich sage ich das mit der Wehmut des Abschiednehmens, weil ich, wie Sie, diese Schule verlassen muss, wenn auch aus anderen Gründen. Für die meisten von Ihnen beginnt nun die ersehnte Studentenzeit, für mich dagegen beginnt ein neuer Lebensabschnitt wegen „Erreichens der Altersgrenze“, wie es für 65jährige so schön heißt.&lt;br /&gt;Wie gern hätte ich mich hier am Kolleg, wie von mir beantragt, für weitere zwei Jahre wie der Fisch im Wasser gefühlt, doch berufliche Begeisterung ist bei Geldgebern im öffentlichen Dienst wohl kein geldwertes Kriterium. Schade.&lt;br /&gt;Dabei hat es doch 1984 so gut angefangen nach dem Wechsel vom normalen Gymnasium zum Kolleg. Zuvor, als Referendar an einem  Gymnasium, wurde mir von den Schülern einer 7.Klasse empfohlen, sie doch wegen ihres hohen Lärmpegels einfach so zu behandeln, wie die anderen Lehrer das auch täten: nachsitzen lassen, sie dem Direktor melden, sie bestrafen usw.  Ungläubig und entsetzt über dieses Verlangen nach Bestrafung in diesem jugendlichen Alter spielte ich mit dem Gedanken, meine Lehrerlaufbahn aufzugeben. Doch als ich, neu am Kolleg, von einer Kollegiatin mitten im Unterricht laut gefragt wurde: „Herr Kittsteiner, sind Sie noch zu haben?“, da war ich angekommen in der Schule, ich blieb Lehrer in der Erwachsenenbildung, bis heute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie, liebe Abiturienten und Abiturientinnen, waren der 24.Abiturjahrgang, den ich ins Leben begleiten durfte. Viele von Ihnen kenne ich schon aus dem Deutsch-Vorkurs, später aus dem Politik-, Geschichts- und Sozialwissenschafts-Unterricht.&lt;br /&gt;Heute kann ich einigen von Ihnen gestehen, dass mich zuweilen heimliches Bangen plagte, ob Sie angesichts Ihrer oft sehr individuellen Alltags- und Klausurengestaltung wohl Ihr Ziel erreichen werden. Doch Sie alle haben sämtlichen Zweifeln getrotzt, haben clever alle selbst gebauten Hindernisse umdribbelt und sind schließlich als Sieger aus dem Endspiel hervorgegangen. Wenn das kein gutes Omen für das EM-Finale am Sonntag ist...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Welche besondere Freude und welch Erfolg für Sie das Erlangen der Hochschulreife ist, kann ich aus meiner eigenen Lebensgeschichte sehr gut nachvollziehen. Als ein nach der 9.Klasse vom Gymnasium verabschiedetes Matheopfer, dann als gelernter Handwerker und als neugieriger junger Mensch, der mit 23 die mittlere Reife und mit 26 das Abitur nachholte, fühlte ich mich hier am Kolleg stets ähnlichen Werdegängen verbunden, eben Jenen aus der Kollegiatenschaft, die nicht nur etwas wissen, sondern auch etwas Praktisches können, also mehr können als jeder Nur-Akademiker. So konnte ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen, dass Sie nach jahrelanger praktischer Arbeit eben mehr Zeit brauchten, schnell genug  geschliffene Texte zu produzieren oder vorgegebene Texte wie gefordert zu interpretieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für hoffentlich alle von Ihnen öffnet sich nun mit dem Abitur das Leben und die Welt in gesteigerter Breite und Tiefe. Vielleicht steht die Entscheidung an: Wohin will ich in meinem weiteren Leben? Will ich aufwärts? Oder lieber vorwärts?&lt;br /&gt;Genau diese Frage schrieb ich Ihnen zu Beginn Ihrer Kollegzeit an die Tafel. Die ganz Klugen antworteten, sie nähmen die Diagonale, sprich beides, aufwärts und vorwärts gleichzeitig.&lt;br /&gt;Gut gesagt, doch wie schafft man das, eine berufliche Karriere mit dem großen Geld und dennoch sich treu zu bleiben? Sich persönlich vorwärts zu entwickeln, statt sich im Aufwärts womöglich selbst zu verlieren?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Welchen Weg werden Sie beschreiten? Werden Sie Wissenschaftler oder unabhängige Freischaffende? Werden Sie Angestellte oder Vorgesetzte in einem Team, das in einem konstruktiv-menschlichen Klima den Betrieb zum Blühen bringt, oder entwickeln Sie sich zum gestressten Management-Einzelkämpfer, der sich, einsam erhoben über seine Mitarbeiter irgendwann nach dem wirklichen Sinn des Lebens fragen wird.&lt;br /&gt;Werden aus Ihnen vielleicht Journalisten, furchtlos, ohne Schere im Kopf, oder engagierte Lehrer, ohne vorauseilenden Gehorsam und ohne Angst vor dem Vorwurf der „Einseitigkeit“, wie er oft durch die wirklich Einseitigen gebraucht wird, die ihre eigene Einseitigkeit nicht bemerken wollen und von dort aus „Neutralität“ fordern? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was Sie auch tun werden in der globalisierten Welt oder im Mikrokosmos Schule oder Betrieb, ich wünsche Ihnen, dass sich in Ihrer Studienfächerwahl auch Ihre strukturellen Fähigkeiten und Ihre wirklichen Begabungen und Neigungen wiederfinden für ein langes, lustvolles Berufsleben.&lt;br /&gt;Wie Sie sich auch entscheiden mögen, bleiben Sie sich selbst treu, folgen Sie Ihrer inneren Stimme bei allem, was Sie tun, dann bleiben Sie glaubwürdig und sind gefeit gegen Verführungen aller Art. Machen Sie vieles besser als wir Älteren, zugunsten einer lebenswerten Zukunft für uns alle und für Ihre Kinder!&lt;br /&gt;Bleiben Sie kämpferisch!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bedanke mich bei Ihnen für die schöne gemeinsame Zeit, auch auf unseren Reisen, und wünsche Ihnen von Herzen viel Glück auf all Ihren Wegen und eine bleibende Gesundheit. &lt;br /&gt;Sie werden mir sehr fehlen! Danke!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Claus Kittsteiner, Berlin-Kolleg, Abiturrede am 27.Juni 2008)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Claus.Kittsteiner@gmx.de&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9127935723743469221-3996283702740587533?l=clauskittsteiner.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9127935723743469221/posts/default/3996283702740587533'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9127935723743469221/posts/default/3996283702740587533'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://clauskittsteiner.blogspot.com/2008/07/abiturrede-2008-am-berlin-kolleg-claus.html' title=''/><author><name>K2K media</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03865651918747672830</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry></feed>
